Perth - Westaustralien
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Perth - Westaustralien

8.4.06
Hallo du Blatt der Blätter!
Nun (s. oben ob oder nicht), da musste ich leider wirklich den Flieger betreten, leider denn der Flieger war wirklich mehr ein Flieger als ein Flugzeug! Recht klein und ziemlich unspektakulär. Aufregender wurde es dann aber recht schnell, als der „Flieger“ plötzlich Gas gab und mit Geruckel und Gezuckel sich gegen Himmel warf. Die Spucktüten im Sitz des Vordermannes waren nicht ohne Grund als kostenloses Equickment  mit an Bord, denn wenn man doch noch eine Boing 747 gewohnt war und dementsprechend einen recht ruhigen Flug, so durfte man das hier nicht wirklich erwarten und musste sich ab und zu auf ein kleines Prickeln in der Bauch Gegend gewöhnen, wenn ein Luftloch oder Ähnliches die Flugbahn kreuzte…

Nun gut, nach ca. 5 Stunden Flug und zwei Stunden Zeitverschiebung landeten wir dann auch recht unsanft und mit ein wenig Radau in Perth. Nun es war mitten in der Nacht (so ca. 12 pm) und ich war ziemlich müde und nun hieß es einen Shutelbus zum Hostel zu organisieren welches ich ja glücklicherweise schon im Internet reserviert hatte… Nun gut, nach ein wenig hin und her wurden wir dann schließlich abgeholt und zu dem meinem Hostel „One World“  gebracht. Dort angekommen verdankte ich es einer glücklichen Fügung das ich Nachts um 1.00am überhaupt noch rein gekommen bin. Nun was ich meiner Herbergsmutter aber hoch anrechnete war, das sie mein Bett schon bezogen hatte! Denn in einem stockdunklen Zimmer, Nachts um 1 Uhr anfangen das Bett zu beziehen ist wirklich kein Traumjob, vor allem wenn um dich herum 7 Leute liegen die alle schlafen wollen und bestimmt ein Problemchen damit haben wenn du fluchend und lärmend versuchst dein Bettchen zu beziehen!
Am nächsten Morgen war ich echt positiv überrascht, ich hatte zwar nur 4 Stunden oder so geschlafen, aber die freundliche und sehr gute Ausstattung des Hostels verhalfen mir gleich zu einer guten Stimmung! Die Küche war echt der Hammer! Einfach riesig, super sauber und die Geräte und Kochutensilien waren vom feinsten! In großem und ganzen ziemlich perfekt, fast schon zu sauber! Es ist zwar das teuerste Hostel hier in Northbridge aber bestimmt auch das sauberste! Das einzige was Philips und mein Missgefallen erregte, war das hier hauptsächlich „ältere“ Menschen drin wohnten und wir beide wohl mit Abstand die jüngsten waren! Auch war zwar alles top, aber gemütlich war es halt nicht wirklich… So beschlossen wir uns die Hostels in der Gegend näher anzuschauen und machten uns nach einer sehr kurzen Nacht auf die Socken um Perth zu erkundigen und eine preiswerte Unterkunft zu finden.

Nach einiger Zeit des Herumirrens beschlossen wir (da kein Passant auf der Straße war) in einem Büro Gebäude nach zu fragen. Mal ehrlich ihr meine Jünger! Das hab ich noch nie erlebt!! Also wir kamen von draußen (ca 30°!!) ziemlich verschwitzt und ko da rein und fanden uns erstmal in einem angenehm klimatisierten Raum mit einem Wasserspender wieder, am Empfang saßen zwei Damen die amüsiert beobachteten wie wir uns über ihr Wasser hermachten und dabei Geräusche der Erleichterung von uns gaben. Als wir uns endlich mäßigen konnten und die beiden reizenden Damen nach dem Weg fragten erlebte ich ein kleines Wunder! Also nicht nur das uns die Damen sämtliche Hostels aus dem Telefonbuch mit Adresse rausschrieben nein, sie erklärten uns auch wie wir zu laufen hatten und nachdem wir das immer noch nicht kapierten (ich führe das auf meine hoffnungslose Übermüdung zurück!) verschwand die eine kurz und kopierte uns eine Karte von Perth und nahm anschließend einen Marker und markierte uns die Wege die wir zu laufen hatten!!!!! Hallo! Ich fragte mich schon wo wir hier gelandet waren und was uns dieser Service kosten würde, aber ne, sie fragten uns woher wir kommen würden und was wir so vorhatten, dann verabschiedeten sie uns freundlich und wünschten uns alles gute!

Ich stand da auf der Straße und konnte diese Hilfsbereitschaft immer noch nicht fassen, ich habe so etwas noch nie erlebt, das man einem völlig fremden Menschen so sehr hilft! Einfach erstaunlich!
Nun irgendwann im Laufe des Tages fanden wir ein ziemlich schönes Hostel, zwar wesentlich größer und nicht so sauber, dafür hat es aber einen Pool und es sind hier wesentlich mehr Leute in unserem Alter, außerdem ist es ein paar Bucks billiger! Nun und in diesem Hostel sitze ich gerade auf meinem Bettchen in einem vier Bett Zimmer.

Um es mal kurz zu halten, ich hab an diesem Abend im „One World“ noch jede Menge Deutsche kennen gelernt und es wurde ein echt schöner Abend, wir saßen in einer großen Runde auf der Terrasse, tranken Wein und plauderten über Gott und die Welt, war echt lustig, vor allem kannte ich ja keinen und fühlte mich trotzdem gut eingebunden in die Gruppe, aber wie ihr wisst hab ich damit ja auch nicht so die Probleme, nun zu später Zeit erlebte ich eine weitere Überraschung, ne mal ehrlich!!! Ja spinn ich jetzt total!! HHAALLOO!!?? Also ich sitze da auf der Terrasse, trinke und plaudere, und nochmals das ihr es nicht vergesst, ich bin in Australien, in Perth, in Northbridge!!! Am anderen Ende der Welt! Und nun so sitz ich da und plötzlich taucht da eine Gruppe Deutsche auf, die ein paar Leute aus meinem Hostel kannten und setzen sich da an den Tisch, nun ich schaue zu ihnen rüber und starre einen ca. 1.80m großen Blondschopf an, er schaut im gleichen Augenblick zu mir rüber und starrt mich ebenfalls ein wenig irritiert an, ich schaue und schaue und weiß, meine Fresse den Typen hast du irgendwo in good old Germany schon mal gesehen, aber wo?? Nun er schaut mich genauso an und weiß ebenso wenig wie ich woher wir uns kennen, nun ich bin da ja mal nicht so und sag zu ihm das ich ihn kenne aber nicht weiß woher. Nachdem er mir bestätigt hat das es ihm genauso geht klappern wir alle Orte ab an denen wir schon mal gewesen waren und treffen uns schließlich am Bodensee wieder! Felix, weißt du noch wie ich dich am Bodensee während deiner Zivilzeit besucht habe, da hab ich diesen Blondschopf mal gesehen, er hat da wohl auch ein Praktikum gemacht oder so, na fragt mich jetzt nicht wie er heißt! Ich kann mir Namen nicht merken, erstrecht nicht wenn es jeden tag 10 neue sind, aber ist das nicht verrückt!?? Da fliege ich um die halbe Welt und treffe zufällig Leute die ich schon mal gesehen habe!? Soll da mal einer behaupten die Welt wäre nicht verdammt klein!!

Na wie dem auch sei, bin ich dann irgendwann Nachts, müder als je zuvor, ins Bettchen gefallen und schlief einen gesunden und tiefen Schlaf der Gerechten, oder so.
Nun als ich heute Morgen aufwachte (früh! Musste ja wieder packen und das Zimmer verlassen!) räumte ich mein Bettchen und verließ mit Phil das Hostel um unserer Unterkunft die wir ja am Tag zuvor entdeckt hatten unsere Aufwartung zu machen. Nachdem wir uns hier in diesem recht gemütlichen Zimmer ein wenig häuslich gemacht hatten, lief ich zurück zum „One World“ um mich dort mit Mirjam (wohl gemerkt, nicht Mirijam) einer Deutschen Mathe Studentin zu treffen und gemeinsam zum Freementel (ein Vorort von Perth) Markt aufzumachen… Wurde echt ein sehr, sehr schöner Tag!! Wir fuhren mit dem Zug ein halbes Stündchen und vertieften uns gleich in ein anregendes Gespräch. Nachdem wir in Freementel ankamen schlenderten wir in aller Ruhe durch das wunderschöne Städtchen und sahen uns die verschiedenen Läden und Sehenswürdigkeiten an. Anschließend fanden wir den Markt und marschierten stundenlang zwischen den verschiedenen Ständen entlang, war echt lustig, habe bestimmt so an die 20 Brillen und Cowboy Hüte ausprobiert und das alles natürlich genauestens mit meiner Kamera festgehalten. Auf dem Markt gab es auch eine riesige Früchte und Obstabteilung die wirklich alles bot was es so an Obstsorten auf der Welt so gibt, und das zu recht annehmbaren Preisen!! Der Vorteil war das es zu fast jeder Sorte ein Schälchen mit Probierhäppchen gab die wirklich hervorragend schmeckten, so futterten wir uns von einer zu nächsten Sorte und genossen die perfekten Mangos, Äpfel, Birnen, Melonen, Zitrusfrüchte und was es sonst noch so gibt! Echt lecker, hmm…

Nachdem wir den Markt zweimal abgeklappert hatten liefen wir weiter durch das Städtchen um zufällig auf ein riesiges Festival zu stoßen (hatte mich schon gefragt warum hier soviel Menschen sind!!) und standen da nur und staunten, einfach JJuuhhiiiiuuu! Also um das mal kurz zusammen zu fassen, ich stand da und hörte echt super Rock vom feinsten! (Verzeiht) Geile Stimmung und ein super Rasen der geradezu prädestiniert dafür ist, sich da hinzulegen und in den Himmel zu schauen, gedacht, getan, wir legten uns auf diesen saftig grünen Rasen, lauschten der Musik und schwätzten über Vergangenes und konnten gleich von Anfang an über fast alles reden, war echt super!

Ein Moment: Ich liege mit dem Bauch auf dem Gras, fahre mit der Hand durch das Gras, spüre den leichten Widerstand von gesunden Gras und rieche die Meerluft (nur ein paar Meter weiter ist das Meer!) und den Duft von vielen Pflanzen, vermischt mit dem Geruch meiner Sonnencreme! Echt, das ist eine Mischung, die ich dauernd schnüffen könnte! Nachdem wir dann ein Weilchen lagen, beschlossen wir, weiter zu ziehen… Wir fanden unterwegs einen Buchladen, der nur gebrauchte Bücher vertickte und dort erstand ich günstig einen Krimi den ich zwar schon mal auf Deutsch gelesen habe, aber jetzt so als Übung auf englisch noch mal lesen werde.

Nachdem wir uns so an dem Städtchen erfreut hatten, setzten wir uns in ein hübsches kleines Cafe und ich genehmigte mir den Luxus von einem Eis Cafe, wir verbrachten ein paar Stunden mit Reden und ich bin immer noch erstaunt, das wir uns so gut verstehen! Danach beschlossen wir noch mit dem Zug zu einem echt wunderschönen Strand zu fahren um den Sonnenuntergang mit dementsprechenden Bildern zu würdigen, gedacht, getan, die Bilder sind echt supii geworden!! Die Atmosphäre war perfekt! Der Strand dort ist wunderschön, das Meer wunderschön, sehr blau und klar! In den Bäumen die direkt bis zu Strand reichen saßen Papageien die einen ziemlich Haufen an unterschiedlichen Tönen und Effekten zu Stande brachten. Ein Moment Eindruck: Ich sitze im Sand, direkt vor mir laufen die Wellen unermüdlich gegen den Strand an, die Sonne ist im Ozean versunken, am Horizont ist nur noch ein Rotes glühen zu sehen, der Himmel verläuft mit diesem roten Schein zu einem hellblauem Ganzem, nur um immer weiter oben am Firmament immer dunkler zu werden, man sieht am höchsten Punkt schon ein paar Sterne.. Mirjam und ich sitzen da, sprechen kein Wort, staunen einfach nur über soviel Schönheit! In solchen Momenten, da steht das Leben still, da existiert nichts außer dieser Moment! Spüre den Sand zwischen meinen Zehen, ich buddle sie ein bisschen in den noch warmen Sand ein und sehe in der Ferne, am rot orangenen  Horizont ein großen Dampfer entlang gleiten, ganz langsam.

Ehrlich meine lieben, ich weiß das klingt kitschig und wie aus einem Film geklaut, aber so war es wirklich! Hab Bilder als Beweis  Miri und ich haben uns dann noch auf die Bank gesetzt und bis spät in den Abend noch geredet, haben dann den Zug zurückgenommen und ich hab mir dann noch ziemlich erschlagen meine restlichen  Nudeln noch warm gemacht, hatte ja seit dem Frühstück nichts außer dem gemopsten Obst gegessen…
Tja ein wirklich gelungener und schöner Tag!

Raphael