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Melbourne

Melbourne – The Beauty of Cities

Weltoffene Menschen diversen nationalen Ursprungs sowie ein wunderschönes, sauberes Stadtbild mit perfektem Mix aus viktorianischer und moderner Architektur – das ist Melbourne! Die Stadt belegte im jährlichen Ranking „Lebenswerteste Stadt der Welt“ mehrmals die Spitzenposition. Nach meinem einmonatigen Aufenthalt kann ich sehr gut verstehen, warum. Die „Beauty of Cities“ ist etwas ganz Besonderes.

Ich erreichte Melbourne Mitte März und checkte in einem Hostel nördlich der Innenstadt ein. Dort arbeitete ich nachts und erhielt im Gegenzug kostenfreie Unterkunft. Von der Dachterrasse der Herberge genoss ich jeden Tag den Blick auf die Skyline. Wolkenkratzer gehören einfach zu einer Millionenstadt.

 
 

Meine Verpflegung bezog ich fast ausschließlich von den Queen Victoria Markets, auf denen es frisches Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch zu günstigen Preisen gibt. Ich empfehle allgemein jedem, Lebensmittel in Australien nach Möglichkeit auf Märkten oder an den Frischfleisch-Theken im Supermarkt zu kaufen. Die abgepackten Produkte sind teurer!

Melbourne steht in ewiger Konkurrenz zu ihrer „Rivalin“ Sydney. Die Bewohner beider Städte haben den Anspruch, in der schönsten, erfolgreichsten und bedeutendsten Metropole Australiens zu leben. Touristen bleibt ein objektives Urteil vorbehalten. Mir persönlich gefällt Melbourne etwas besser. Während Sydney äußerst geschäftig wirkt, macht Melbourne einen gemütlichen Eindruck. Bedingt durch viele junge Einwanderer und unzählige Straßenbahnen hat es europäisches Flair.

Sydney besitzt mit Manly und Bondi allerdings die schöneren Strände. St. Kilda in Melbourne ist leider voller Quallen und hat durch seine Lage in einer Bucht keinen hohen Wellengang. Dafür bietet St. Kilda in der Dämmerung ein sehr niedliches Spektakel: Kleine Pinguine kehren vom täglichen Fischfang zu einem Pier zurück und verkriechen sich zwischen Felssteinen in ihren Höhlen. „Oooh“, „süüüß“ und „niiieeedlich“ – die Zuschauer lassen ihrem Entzücken freien Lauf.

Der Central Business District (CBD) Melbournes ist geprägt von Wolkenkratzern und dem Geratter der Straßenbahnen. Wer einmal um den CBD herum fahren will, setze sich in die kostenlose City Circle Tram und verlasse die Bahn am Federation Square, einem modernen Treffpunkt mit Kinos und Cafés südlich des Zentrums. Von dort ist es ein Katzensprung zum Ufer des Yarra Rivers, der Melbourne durchfließt.

 
 

Auf der gegenüber liegenden Flussseite ragt der Eureka Tower empor. Es lohnt sich, die über 300 Meter mit dem Fahrstuhl herauf zu fahren. Der Blick, unter anderem auf die Sportarenen, ist sensationell!

 
 

Größtes Stadion ist der Melbourne Cricket Ground (MCG) mit 100.000 (!) Sitzplätzen. Ich schaute mir dort zwei Australian Football Spiele der Melbourne Demons an. Zuerst gegen die Adelaide Crows, dann gegen die Richmond Tigers. Beide Spiele gewann Melbourne deutlich.

Australian Football ist uns Deutschen eher unbekannt. Bis ich die Regeln halbwegs verstanden hatte, war das erste Spiel schon fast zu Ende. Die Sportart ist ein Mix aus Rugby und Fußball, sehr rabiat und etwas für echte Kerle. 18 gegen 18 Spieler und neun Schiedsrichter bevölkern ein rundes Spielfeld. Eine Partie dauert vier Mal zwanzig Minuten – zuzüglich Unterbrechungen.

Es ist nicht unüblich, zweieinhalb Stunden auf der Tribüne zu verbringen. Das Stadion war zu beiden Spielen nicht einmal zur Hälfte gefüllt, da die Demons kein Zuschauermagnet sind. In Melbourne gibt es noch einige beliebtere Erstligavereine.

Die Fans sind offiziell nicht getrennt; gewaltbereite Besucher findet man nur vereinzelt. Ich hatte meinen Spaß. Wer Australien bereist und sich für Sport interessiert, sollte sich unbedingt ein Spiel der Australian Football League AFL geben; am besten im MCG.

 
 

Was habe ich während meines Melbourne-Aufenthalts noch gemacht? Ich besichtigte das Parlament des Bundesstaats Victoria, erfuhr im Melbourne Museum alles über die Geschichte der Stadt, ging in den Docklands Shoppen und genoss herrliches Herbstwetter im Yarra Bend Park sowie in den Botanic Gardens. Letztgenannte sind größer und etwas wilder als die Royal Botanic Gardens in Sydney. In dem einen oder anderen Stadtpark können nachts Possums (niedliche kleine Beutelsäuger) bei Nahrungssuche und Spielen beobachtet werden.

Ein Spektakel der besonderen Art erlebt die Stadt jährlich an einem Sonntag im März. Dann gastiert die Formel 1 im Albert Park. Das Rennen habe ich leider verpasst, weil ich an dem Wochenende auf Tasmanien war. Bis eine Woche vor dem Rennen ist es jedoch möglich, die dann noch im Aufbau befindliche Rennstrecke mit dem Fahrrad zu befahren. So bekam ich wenigstens im kleinen Stil ein Formel 1-Gefühl.

 
 

Jeder Besucher der Stadt sollte sich mindestens einen Tag Zeit nehmen, um die Great Ocean Road zu erkunden. Ich mietete mir zusammen mit drei Bekannten ein Auto, mit dem wir diese traumhafte Küstenstraße entlang fuhren. Zwischendurch hielten wir immer wieder an und stiegen aus, um den Blick über das azurblaue Meer schweifen zu lassen.

 
 

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichten wir die Zwölf Apostel. Dabei handelt es sich um Felsen, die vor der Küste nebeneinander aus dem Meer ragen. Leider sind fünf der zwölf bereits eingestürzt.

 
 

Im April wird es in der Stadt kühler und regnerischer. Aber ich hatte das Glück, dort während des „schönsten Herbstes seit Jahrzehnten“ (Zitat eines Melbournians) zu verweilen. Sonne und etwa 15 Grad Celsius waren an der Tagesordnung. Und durch das bunt gefärbte Laub wirkte das Stadtbild auch an grauen Tagen nicht trist.

Ich blieb länger als einen Monat in Melbourne. Allerdings unterbrach ich meinen Aufenthalt eine Woche, um wie oben erwähnt nach Tasmanien zu fliegen. Darüber berichte ich im nächsten Artikel…

Tobias Knoben