Deutscher Backpacker mit Hochschulabschluss sucht Arbeit in Australien
News
16.11.08 08:33

Working Holiday Australien

Preiswerte Programme für Australien.

09.11.08 06:10

Australien Erfahrungsberichte

Sprachschüler berichten von ihren Eindrücken.

09.11.08 06:06

Au Pair Agentur

Hilfe ei der Suche nach einer Gastfamilien in Australien.

09.11.08 06:02

Auslandspraktikum Erfahrungsberichte

Erfahrungen von Praktikanten während eines Australien Aufenthaltes.

16.07.08 05:23

Outback Australien

Ortsbeschreibungen von Städten und Ortschaften im Outback.

Deutscher Backpacker mit Hochschulabschluss sucht Arbeit in Australien

Eine aehnliche Formulierung haben wohl viele deutsche Backpacker im Alter von Mitte bis Ende zwanzig im Kopf, wenn sie ihr Working Holiday Visa beantragen und in das Feld “purpose of your stay” doch nur “holiday” eintragen. Und in der Tat ist es so, dass sich die Ziele und Absichten aelterer Backpacker zum Teil sehr stark von denen juengerer unterscheiden. Nehmen wir das Beispiel der beiden Cousinen Svenja (20) und Simone (27).

 

Svenja kam direkt nach dem Abitur im Sommer 2004 nach Australien und blieb dort fuer zehn Monate. Fuer sie bedeutete Australien das groesste Abenteuer ihres bisherigen Lebens. Erstmals war sie fuer wirklich lange Zeit von ihrem Elternhaus in der Naehe von Neuss getrennt. Erstmals war sie wirklich unabhaengig und konnte ihre eigenen Entscheidungen ohne die staendige Praesenz von Eltern und Lehrern treffen. Darueber hinaus bedeutete Australien fuer sie ein Jahr Aufschub. Die schwierige Entscheidung der richtigen Berufswahl musste nicht sofort getroffen werden.

Simone hingegen hat diese Entscheidung bereits vor langer Zeit getroffen. Nach ihrem Abitur 1998 blieb sie in ihrer Heimatstadt Berlin und begann Lebensmitteltechnologie an der Technischen Universitaet Berlin zu studieren. Im Jahr 2005 schloss sie ihr Studium erfolgreich mit dem Grad einer Diplom-Ingenierin ab. Als sie im Januar 2006 in Sydney landete, hegte sie ganz andere Absichten als ihre sieben Jahre juengere Cousine. Einerseits hoffte sie, auch in Australien in ihrem Fachgebiet, der Lebensmittelindustrie, arbeiten zu koennen. Mithilfe der dadurch zu erwerbenden “Auslandserfahrung” und den daraus resultierenden “sehr guten Englischkenntnissen” moechte sie ihren Lebenslauf schmuecken, um damit ihre Chancen auf dem ohnehin sehr hart umkaempften deutschen Arbeitsmarkt zu erhoehen. Andererseits war Simone vor Antritt ihrer Reise auch klar, dass sie nicht mehr lange Zeit hat. Das Working Holiday Visum gilt nur bis dreissig Jahre und hat man erstmal einen festen Job in Deutschland, wird man nie wieder soviel Zeit zum Herumreisen haben wie unmittelbar nach dem Studium.

Doch, soviel sei an dieser Stelle schon verraten, aller Anfang ist schwer. Und das mussten auch Simone und andere Backpacker mit vergelichbarer Ausbildung auf die harte Tour lernen. Egal ob Diplom-Ingenieur, Magister Artium oder andere akademischer Titel, sie alle verbinden anfangs dieselben Probleme.

Da sind an erster Stelle die allgemeinen Probleme, mit denen sich jeder Backpacker, gleichgueltig welchen Ausbildungsstand er besitzt, auseinanderzusetzen hat. In Australien angekommen muss man sich erstmal selbst organisieren. Man benoetigt eine feste australische Postanschrift, einen australischen Telefonanschluss (Mobile), ein eigenes Bankkonto und schliesslich eine australische Steuernummer (Tax File Number). Nachdem diese vier “essentials” abgehackt sind, muss jeder Backpacker individuell einige Fragen fuer sich klaeren, wie: Brauche ich ein eigenes Auto in Australien? Ist in Australien ein bestimmtes Zertifikat vorgeschrieben (RSA, RCG, etc.) fuer den Bereich, in dem ich arbeiten moechte? Benoetige ich besondere Arbeitskleidung? Und so weiter!

Sind all diese Fragen geklaert, beginnen die Probleme, einen Job zu finden. Denn anders als einfache Aushilfstaetigkeiten werden anspruchsvollere Jobs, die einen Hochschulabschluss voraussetzen, eben nicht im Schaufenster eines Geschaefts angeboten oder haengen am Schwarzen Brett einer Jugendherberge aus. Selbst das direkte Kontaktieren einer Firma muss nicht unbedingt zum Erfolg fuehren, da in Australien viele Unternehmen freie Stellen mithilfe von Arbeitsagenturen, so genannten “recruitment agencies”, besetzen lassen, von denen es mittlerweile eine schier unueberschaubare Vielfalt gibt.

Hat man dies Huerde dennoch ueberwunden und sich fuer einen speziellen Job entschieden, bleiben immernoch die Probleme, diesen Job auch tatsaechlich zu bekommen. Ein erstes, nur allzu offensichtliches Hindernis stellt dabei sicherlich die fremde Sprache dar. Bei allen anspruchsvollen Beschaeftigungen ist die Kommunikation am Arbeitsplatz von enormer Bedeutung. Wenn man nicht gerade fliessend Englisch spricht, wird man somit anfangs immer einen Nachteil gegenueber Muttersprachlern haben. Als ebenso nachteilig hat sich die begrenzte Arbeitserlaubnis eines Working Holiday Visums erwiesen. Da viele anspruchsvollere Jobs mit einer laengeren Einarbeitungszeit verbunden sind, sind drei Monate vielen Unternehmen schlichtweg zu kurz.

Soweit die Probleme! Doch wie heisst es so schoen: Probleme sind da, um geloest zu werden. Und tatsaechlich kann man einige der soeben erwaehnten Probleme zwar nicht vollends loesen, aber doch immerhin minimieren. Deshalb sind im Folgenden einige Tipps aufgefuehrt, die sich auf eigene Erfahrungen begruenden, auf Aussagen anderer Backpacker und schliesslich auf ein Gespraech mit Jim, dem Mitarbeiter einer Melbourner Arbeitsagentur, deren Namen er jedoch an dieser Stelle nicht preisgeben moechte.

Als erstes sollte man seine Ansprueche prinzipiell nach unten schrauben. Als Inhaber eines Working Holiday Visums kann man in Australien eigentlich nur auf ein Praktikum hoffen, dass im besten Fall noch geringfuegig bezahlt ist. Eine Alternative dazu bietet eine laengerfristige Arbeitserlaubnis in Australien, die jedoch von einer Firma gesponsort werden muss und dementsprechend wesentlich schwerer zu bekommen ist. Als gangbarer Mittelweg hat sich hierbei erwiesen, den australischen Firmen die dreimonatige Arbeitserlaubnis des Working Holiday Visums als Art Probezeit anzubieten. Sollten sie in dieser Zeit mit der geleisteten Arbeit zufrieden sein, so besteht immer noch die Moeglichkeit eines gesponsorten Visums. In jedem Fall sollte man dem potentiellen Arbeitgeber von Anfang an die Bereitschaft signalisieren, auch fuer laengerer Zeit verfuegbar zu sein.

Als zweites empfiehlt es sich, die Arbeitssuche bereits von Deutschland aus zu beginnen. Dadurch kann man sich viel Zeit, Geld und Frust in Australien sparen. Mithilfe des Internets kann man passende Firmen ausfindig machen. Websites wie www.mycareer.com.au oder www.acpeople.com.au bieten hierbei einen guten Einstieg in den Dschungel australischer recruitment agencies. Unter www.seek.com.au findet man eine gute Uebersicht ueber derzeit freie Stellen in Australien. Speziell fuer Praktika gibt es aber auch einige deutschsprachige Vermittlungsstellen wie zum Beispiel Australien-Ausbildung (www.australien-ausbildung.com).

Hat man sich diesen ersten Ueberblick verschafft, geht es nun darum, den ersten Kontakt herzustellen. Am besten tut man dies telefonisch und am besten tut man dies direkt mit der entsprechenden Firma. Bei Arbeitsagenturen besteht naemlich oft das Problem, dass sie eigentlich gar keine Ahnung von der jeweils angebotenen freien Stelle haben. Sie legen nur eine Art Schablone an und vergleichen stichpunktartig das von dem Unternehmen angegebene Jobprofil mit dem Lebenslauf der einzelnen Kandidaten. Spricht man jedoch direkt mit dem Verantwortlichen einer Firma, gelingt es einem vielleicht, denjenigen trotz einiger Luecken im Lebenslauf von den eigenen Faehigkeiten zu ueberzeugen. Folglich sollte der erste Schritt bei der Jobsuche immer der direkte Anruf bei einem Unternehmen sein. Dort sollte man sich sogleich mit einem Angestellten der HR (Human Resources) Management verbinden lassen, bei uns auch als Personalstelle bekannt, und demjenigen das eigene Anliegen schildern. Fuehrt diese Art der Jobsuche nicht zum Erfolg, verbleiben immer noch die recruitment agencies, die man ebenfalls telefonisch kontaktieren sollte, bevor man ihnen den eigenen Lebenslauf zuschickt.

Anschliessend geht es ans Schreiben der eigenen Bewerbung (“covering letter”) und des Lebenslaufes (“resume” oder “curriculum vitae”). Hierbei sollte man beachten, dass sich beide Textformate im englischsprachigen Raum zum Teil stark von ihren Pendants in Deutschland unterscheiden. Hilfestellung leisten hier Buecher wie “Weltweit bewerben auf Englisch” oder die bereits oben erwaehnten websites www.mycareer.com.au oder www.acpeople.com.au. Auch das Uebersetzen von Praktikums- und Universitaetszeugnissen durch einen staatlichen Uebersetzer ins Englische ist eine Ueberlegung wert.

Zum Schluss gilt es noch das eigentliche Vorstellungsgespraech zu meistern. Aufgrund der grossen Entfernung findet dies im Regelfall am Telefon statt. Auch hier empfiehlt sich eine gruendliche Vorbereitung. Welche Fragen koennten gestellt werden? Was sind angemessene Antworten darauf? All dies sollte man sich im Vorfeld ueberlegen und eventuell einen moeglichen Gespraechsverlauf auf Englisch durchspielen.

Hat man den ersehnten Job schliesslich bekommen, sollte man damit beginnen sich einzurichten. Man kann sich bereits von Deutschland aus uebers Internet eine Wohnung bzw. ein Zimmer in der Naehe des zukuenftigen Arbeitsplatzes suchen, so dass man einen ersten Anlaufpunkt hat. Und man kann sich in einem Reisefuehrer oder einer anderen Informationsquelle ueber den zukuenftigen Wohnort und seine Charakteristika informieren.

Schliesslich bleibt nur noch zu hoffen, dass der Job auch wirklich das haelt, was man sich von ihm versprochen hat. Erleichtert kann man sich dann zuruecklehnen und guten Gewissens feststellen: Deutscher Backpacker mit Hochschulabschluss findet Arbeit in Australien!

Florian Kuhlmey

© Australien Reisebericht Last Modified: