Auslandspraktikum Erfahrungsberichte
Erfahrungen von Praktikanten während eines Australien Aufenthaltes.
Albany - Australien - Road Trip - 17.5.2000
Wo beginnt man, wenn man nicht weiß wo man ist? So diese doch recht theoretische und viel zu alg. Frage am Abend ist garantiert nicht der rechte Beginn, doch auch die Diskussion über Sinn oder Unsinn ist nicht recht für eine Einleitung geeignet. Daher klatsche ich euch einfach mal ein paar Fakten unter eure Nase und hoffe das ihr euch so besser in meine Situation rein versetzen könnt und weiterhin meinem Tagebuch mit regem Interesse folgt!
- Ich bin in Albany.
- Bin ein reicher Mann.
- Sehr müde dazu.
Zwei Tage zuvor: Ich gleite dahin, sehe ab und zu Lichter an mir vorbei ziehen. Es kommt aber nur sehr selten ein Auto entgegen. Schau aus dem Fenster, sehe den Mond, so groß. Er ist wunderschön. Ich versuche mir vorzustellen wie die Erde wohl von dort oben aussieht. Dreht sie sich so schnell wie es mir manchmal vorkommt? Sieht man von dort wie wir unserem Glück hinter her rennen? Eine schmale Wolke, schwarz und düster zieht vor ihm vorbei, verdunkelt für einen kurzen Augenblick, alles um mich herum.
Mein Blick versucht eine Grenze zu erfassen, gleitet aber nur ziellos über diese wunderschöne endlose weite Steppe dahin. Ich sauge diese Eindrücke förmlich in mir auf. Habe so etwas noch nie in meinem Leben gesehen. Um mich herum, seit Stunden das gleiche Bild, Bäume, Sträucher, trockenes Gras. Der Horizont umschließt das alles, schafft eine Größe, eine eigene kleine Welt, kreisrund, wunderschön und sehr sehr einsam. Lehne meinen kopf nach hinten, schaue so aus dem Rückfenster, sehe das Firmament, die Sterne, meine den großen Wagen zu erkennen. Auf dem Kopf stehend. Sie leuchten so hell. Überhaupt ist es eine helle Nacht, der volle Mond beleuchtet alles in einem silbernen Licht. Bäume, Sträucher ziehen an mir vorbei.
Frage mich wie es dazugekommen ist das ich hier bin?
Denke an Gestern.
Ich hatte den lieben langen Tag gearbeitet. Es war ein Sonntag. Der beste Tag, um Geld zu sammeln. Hatte aber nur einen mittelmäßigen Spot, scheiß drauf, war motiviert! Habe 411$ gesammelt, der Rekord vom besten Sammler an diesem Spot liegt bei 413$. Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte 4$ von meinem eigenen Geld in die Büchse gestopft. AARRGGHHH! So Knapp und ich hätte einen Rekord an einem Spot gehabt, unvergesslich, unschlagbar, für ewig erhalten! Nun gut, vielleicht nicht ewig, aber immerhin für ein Weilchen. Tja, das nenne ich mal Knapp vorbei!
Sitze auf der Couch, trinke mein Bierchen, schwätze mit dem Rest der Truppe, da fragt mich Tim, mein Boss: „Willst du nach Albany?“ Will ich nach Albany? Sag mal was redet der Typ da eigentlich, ist das ein Supermarkt oder was? Ah Hä? Finde nach 2,6min Englisch Kauderwelsch heraus das Morgen ein Road Trip nach Albany stattfindet. Albany liegt im Südwesten von Australien. Dani, die Deutsche, hat ihn organisiert. Es kommen außer ihr nur die drei besten Kollektor von „COPD“ mit. Ich bin Nummer drei.
Jjjeeehhhhaaaa! Rivvver Rivvver iihhaaaa!!
Nun, der Unerfahrene unter euch, fragt sich wohl, was dieser erquickende Schrei von meiner Seite als Ursache hat. Dazu sollte ich vielleicht den Begriff „Road Trip“ etwas näher erläutern. Im Grunde bedeutet er Geld, mehr Geld für mich, mehr Geld für meine Chefs, mehr Geld für alle Lungenkrebskranke, weniger Geld für die Landbevölkerung, in meinem Fall in Albany. Man fährt aufs Land, crascht in wenigen Tagen so viel Supermärkte wie möglich, so das nach Verlassen der Stadt ca. 90% der Einwohner ein bisschen Geld in deine Dose gestopft haben. Der eindeutige Vorteil an diesem Trip für mich ist aber, dass ich erstens die Unterkunft für die Tage hier bezahlt bekomme, zweitens die einfache Landbevölkerung mehr Geld gibt und gleichzeitig noch freundlicher ist, als die Menschen aus der City, die ja fast jeden Tag nach Geld angeschnorrt werden und drittens ich am letzten Tag hier die Möglichkeit habe mir die Gegend dort anzuschauen. Ohne Kosten für eine teuere Bustour oder Benzin ausgeben zu müssen!
Klar, dass ich Jeah gesagt habe, oder? Hat zwar bedeutet, dass ich nicht wirklich eine Pause von einer anstrengenden Woche hatte, aber nun bin ich hier. Der zweite Tag in Albany, eine sehr kleine (so an die 10.000 Einwohner) aber schönes Städtchen. Bin mit Dani, Ariane (ebenfalls deutsch, Germans Germans every where!) und Niclas, eine Schwede, hier. Hab heute wieder gutes Geld verdient, bin aber jetzt, nach dem Zählen und Essen recht müde, aber kein Vergleich zu Gestern.
Gestern, ja gestern war wohl einer der härtesten Tage in meinem Leben, habe ohne Pause durchgearbeitet, (um den finanziellen Anhang zu den anderen nicht zu verlieren, bin halt trotzdem nur Nummer drei :-)) und das bedeutete im Endeffekt 9,5 Stunden stehen, Kilos in der Hand halten und wie immer lächeln. Habe diesen Hardcore Tag mit folgenden Mittel überlebt:
4*600ml + 1*1l Kaffe = 3,4l Kaffe
1* 1 Red Bull
4 Bananen
Eine Tüte Milkyway
4 Toastbrote
Scheiße, habe mich gefühlt als wäre ich auf Drogen, habe heute Nacht kaum ein Auge zugemacht Aber was macht man nicht alles für Geld! Nur der Kaffe war zu viel, eindeutig, am Ende des Tages hat meine Büchse dauerhaft gerasselt, zurück zu führen auf das nervöse Leiden, wiederum zurück zu führen auf eine kleine Koffeinüberdosis in meinem Blut… Morgen mehr, kippe gerade aus den Latschen habe jetzt kurz vor elf auf meiner Uhr stehen, Zeit ins Bettchen zu gehen, Morgen heißt es 11 Stunden stehen, arbeiten, schaffen schaffen und Häuschen bauen.
Euer Schläfer, Träumer, Schwätzer Raphael

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